◊ masse ist nicht unbedingt klasse ◊

→ wichtige Aktualisierung (30.05.2011): Herr Karl Zeidlmaier hat mich am 29.05.2011 um 13:15 Uhr aus seinem Lokal hinausgeworfen. Das Recht dazu hat er. Ich vermute, dass der nachfolgende Artikel vom November 2010 der Grund für das verhängte Lokalverbot ist.
Dafür bekommt der Altwirt Zeidlmaier die Note


»An Allahaling kummd da Schnä galing« soll der schlesische Volksmund einst gesagt haben. Für Rohrbach galt das aber nicht. Einen Tag davor hatte es auf der, nicht mehr bestuhlten Terrasse, mittags locker 20 Grad. Drinnen waren es 23, so zeigte mein Weinthermometer ohne Wein. Es gab kaum einen freien Stuhl, viel dirndeliges, flinkes Servicepersonal und die allen Stammgästen bekannte, reduzierte Sonntagskarte. Was heißt hier reduziert? Zweiundzwanzig Hauptgerichte sind doch mehr als genug, oder?
Da ich noch aus Zeidlmaiers Zeiten, inzwischen hat er an seinen Neffen Christian Kroiß übergeben, weiß, wie stark der Landgasthof im Herbst mit Wildgerichten Gäste ködert, war die Entscheidung einfach. Selten anegboten, doch ein Geheimtipp: Rehschulter in Wildsauce (… sauce tut in diesem Haus weh!), Preiselbeeren, Spätzle, gem. Salat, 12,50 €.

FischFanGattin Karin entschied sich nach tagelangem Suchen leider nicht für etwas ausgesprochen Lustiges: Lachsteak, wirklich, so stand es in der Saucenkarte, auf Zucchini-Fenchelgemüse, Rosmarinkartoffeln, 14,50 €, sonder für das ernstere Angebot von Jungspund Kroiß, auch wässrig, Pochierter Lachs auf Blattspinat, Petersilienkartoffeln, 14,50 €. Auch sie bekam einen gem. Salat, obwohl er nicht auf der Karte stand und Beilagenwechsel 1 € kostet. An sich verlasse ich solche Wirtschaften postwendend, wenn der Pfanneschwinger bei Preisen um die 30 Mark 2 Mark möchte, nur weil er anstatt Petersilkartoffel rosmaringeschwängerte Knollen auf den Teller legen soll.
Wir hatten reserviert und blieben.

Trotz der vielen Gäste kam das Essen schnell. Zuerst die beiden Salate. Meiner war so widerlich sauer, dass ich um Balsamico gebeten habe. Dafür war er aber knackig und doch artenreich. Die Ausgabe meiner Frau war gar nichts, denn sie hatte kein Dressing, bestenfalls ein Teelöffel auf dem Tellerboden. Sie bat um Salatsoße und bekam sie auch prompt.
Nun zur Kritik.
Die Salate haben mir in Rohrbach noch nie geschmeckt. Sie waren schon immer kiersauer.
Die hausgemachten Spätzle haben mir in Rohrbach noch nie geschmeckt, wegen der Konsistenz und des megalangweiligen Geschmacks.
Wild hat mir in Rohrbach immer geschmeckt, Karl Zeidlmaier ist Jäger, denn es gab im Herbst immer wundervolle Angebote. Mein Schäuferl, nein, das von einem Reh, habe ich erstmals in oberfränkischen Würgau im Brauerei-Gasthof Hartmann gegessen. Welten lagen zwischen der rotweißen und der blauweißen Ausgabe. Von den damals beigelegten, traumhaften Klöß ganz abgesehen. Ich hatte Hunger, doch die halbe Portion Fleisch ging zurück. Und natürlich fast alle Spätzle, denn auch zum Soßetunken hat mich die Sauce nicht animiert.
Und der Fisch? Ein Wahnsinnsteil, perfekt gegart, in einer Soße wie Krankenkost. Das Beste an den Erdäpfeln war die Petersilie.
Fazit: Der Zeidlmaier mit dem Zeidlmaier hat uns deutlich besser geschmeckt, obwohl mir der Zeidlmaier am Ende unserer Bekanntschaft vor einigen Jahren überhaupt nicht mehr geschmeckt hat.
Bewertung

Gegenbeweis meiner Beurteilung: der Kroiß-Zeidlmaier ist fast immer propenvoll. Die Tische um uns herum schwärmten in den höchsten Tönen. Viel Alufolie verließ das Lokal …

Sicher, die Kritik ist nicht zimperlich, Herr Zeidlmaier ist auch nie zimperlich, aber wir haben es so erlebt!
Bitte schreiben Sie, liebe Surfer, Ihre Meinung dazu an ateca(at)gmx.net (das »at« bitte durch @ ersetzen).
Rechtlich ist es mir verboten zu einem Boykott gegen so einen Wirt aufzurufen (eine Zeidlmaier-Ex-Bedienung meinte dazu: so ist er halt, der Zeidlmaier), deshalb tu ich es auch nicht, und bitte lieber um Ihre Zeidlmaier-Erfahrungen. Danke im Voraus!
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Veröffentlicht in Enttäuschung, Lokalverbot f.d. Autor, schwarzes Schaf